Strompreise 2027: Netzentgelte, ungewisser Zuschuss und was Verbraucher jetzt tun können
Jedes Jahr im Herbst beginnt die Zeit der Preisschreiben: Versorger kündigen Anpassungen für das kommende Jahr an, und viele Haushalte fragen sich, was auf sie zukommt. Für 2027 ist die Lage besonders unübersichtlich, denn ein staatlicher Zuschuss zu den Netzentgelten ist noch nicht endgültig beschlossen. Dieser Ratgeber erklärt, worum es geht, was Sie als Verbraucher wissen müssen und wie Sie sich mit einem Anbieterwechsel absichern können.
Worum es bei den Netzentgelten geht
Der Strompreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: Energiebeschaffung und Vertrieb, Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen. Die Netzentgelte bezahlen Verbraucher für die Nutzung der Stromnetze. Laut Bundesnetzagentur machen sie etwa 30 Prozent der Stromkosten aus. Damit sind sie einer der größten Einzelposten auf der Rechnung.
Der Stand der Dinge: Zuschuss noch nicht beschlossen
Nach Berichten vom Oktober 2026 plant der Bund, die Übertragungsnetzentgelte weiter zu stützen. Vorgesehen sind jährlich rund 5,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bis einschließlich 2029. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf Anfang September beschlossen, der Bundestag hat ihn in erster Lesung beraten und an den Ausschuss überwiesen. Beschlossen ist die Regelung damit noch nicht.
Die vier Übertragungsnetzbetreiber haben am 1. Oktober vorläufige Werte veröffentlicht:
- 2026: 2,86 Cent pro Kilowattstunde
- 2027 mit Zuschuss: 3,54 Cent pro Kilowattstunde
- 2027 ohne Zuschuss: 6,52 Cent pro Kilowattstunde
Die Differenz zwischen beiden Szenarien beträgt knapp drei Cent pro Kilowattstunde. Wichtig: Die Zahlen gelten für die Ebene der Übertragungsnetze und lassen sich nicht eins zu eins auf Haushaltsstrompreise übertragen. Hinzu kommen die Netzentgelte der regionalen Verteilnetze, die je nach Region deutlich unterschiedlich ausfallen. Eine bundesweit einheitliche Mehrbelastung lässt sich deshalb nicht seriös beziffern. Bis spätestens Anfang Dezember soll rechtliche Klarheit bestehen, sonst rechnen die Netzbetreiber mit höheren endgültigen Entgelten.
Was das für Ihre Stromrechnung bedeuten kann
Je nachdem, wie die Entscheidung ausfällt, könnten Versorger Preise für 2027 anheben oder stabil halten. Viele Anbieter geben Änderungen erst kurz vor dem Jahreswechsel bekannt. Rechnen Sie deshalb damit, dass in den kommenden Wochen Briefe oder E-Mails mit Preisänderungen eintreffen. Prüfen Sie diese genau und lassen Sie sich nicht von der Formulierung abschrecken oder beruhigen: Entscheidend ist, was Sie künftig pro Kilowattstunde und als Grundpreis zahlen.
Ihre Rechte bei Preiserhöhungen
- Ankündigungsfrist: Außerhalb der Grundversorgung muss eine Preiserhöhung grundsätzlich einen Monat vorher angekündigt werden. In der Grundversorgung gelten mindestens sechs Wochen Vorlauf.
- Sonderkündigungsrecht: Bei einseitigen Preiserhöhungen besteht in der Regel ein Sonderkündigungsrecht. Sie müssen die Laufzeit nicht abwarten.
- Kündigung: Meist übernimmt der neue Anbieter die Kündigung beim bisherigen Versorger. Beauftragen Sie den Wechsel erst, wenn der neue Vertrag steht.
- Versorgungssicherheit: Beim Wechsel wird der Strom nicht unterbrochen. Sie sind lückenlos versorgt.
Prüfen Sie Ihre Vertragsunterlagen, denn Fristen und Bedingungen können je nach Tarif variieren.
Grundversorgung: Meist die teuerste Variante
Wer sich nie aktiv für einen Anbieter entschieden hat, landet oft in der Grundversorgung beim örtlichen Versorger, meist den Stadtwerken. Diese Standardtarife sind in der Regel teurer als Sonderverträge. Der Vorteil: Sie können aus der Grundversorgung jederzeit mit kurzer Frist wechseln, und der neue Anbieter erledigt die Kündigung für Sie. Es lohnt sich fast immer, hier einmal zu vergleichen.
So wählen Sie einen verbraucherfreundlichen Tarif
- Preisgarantie: Sie schützt für die vereinbarte Zeit vor Preiserhöhungen, sofern sie sich auf den kompletten Preis bezieht. Lesen Sie die Bedingungen, was ausgenommen ist.
- Laufzeit: Zwölf Monate sind oft ein guter Kompromiss. Längere Laufzeiten sind im zweiten Jahr nicht selten teurer.
- Keine Vorauskasse und Kaution: Zahlen Sie nicht im Voraus.
- Keine Pakettarife: Sie berechnen feste Verbrauchsmengen, die Sie womöglich nicht brauchen.
- Kundenbewertungen prüfen: Schlechter Service und Abrechnungsprobleme sind oft teurer als der Bonus.
- Bonus richtig bewerten: Neukundenboni lassen den Preis im ersten Jahr günstig wirken, sagen aber nichts über die Folgejahre.
Wechselfahrplan: In fünf Schritten zum besseren Tarif
- Verbrauch ermitteln: Jahresabrechnung heraussuchen und den Verbrauch in Kilowattstunden notieren.
- Vertragsdaten prüfen: Laufzeit, Kündigungsfrist, Preis, Sonderkündigungsrecht.
- Tarife vergleichen: Bei Stromanbieter-Vergleich.cc lassen sich Anbieter, Preise und Bedingungen übersichtlich gegenüberstellen.
- Wechsel beauftragen: Online den Antrag stellen, die Kündigung übernimmt in der Regel der neue Anbieter.
- Wechselalarm setzen: Im nächsten Jahr erinnern Sie sich rechtzeitig an einen erneuten Vergleich.
Zusätzlich sparen: Verbrauch senken
Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde senkt Ihre Rechnung doppelt, denn sie spart Arbeitspreis und mindert die Abhängigkeit von Preissprüngen. Ideen für sparsamere Haushaltsgeräte und intelligente Steuerung bietet Technik24.tips. Ein Überblick über laufende Verträge und Abos hilft außerdem, Kosten insgesamt im Griff zu behalten; Tipps dazu finden Sie bei Subscription-Excellence.de.
Fazit: Handeln statt abwarten
Wie hoch die Strompreise 2027 tatsächlich ausfallen, hängt auch von politischen Entscheidungen ab, die noch offen sind. Verbraucher sind dieser Unsicherheit aber nicht ausgeliefert: Wer seinen Tarif kennt, Preisschreiben prüft und rechtzeitig vergleicht, kann viel Geld sparen. Warten Sie nicht auf die Entscheidung, sondern prüfen Sie jetzt, ob ein Wechsel für Sie sinnvoll ist.
Redaktionell erstellter Artikel. Stand: Oktober 2026. Die politischen Entscheidungen zu den Netzentgelten waren zum Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen; Preise und Rechtslage können sich ändern. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.
